Komfortkreuzung Kapuzinerstraße – Warum Sicherheit allein nicht reicht
In München wurde in den vergangenen Jahren viel für die Sicherheit des Radverkehrs getan: breitere Radwege, bessere Kreuzungen und neue Ampelschaltungen. Das ist wichtig. Doch Sicherheit ist nur die Grundlage.
Entscheidend ist eine andere Frage: Fährt man dort auch gerne Rad?
Zwischen „gerade noch sicher“ und „wirklich angenehm“ liegt ein großer Unterschied. Genau dieser Komfort entscheidet oft darüber, ob Menschen für den täglichen Weg das Fahrrad wählen oder doch ins Auto steigen.
Die Idee: Eine Komfortkreuzung
Die Kreuzung Kapuzinerstraße / Thalkirchner Straße könnte als Pilotprojekt zeigen, wie sich der Radverkehr mit einfachen Mitteln spürbar angenehmer gestalten lässt – ohne Umbau der Verkehrsführung und ohne neue Ampelphasen.
Viele Ideen sind international längst erprobt:
- Haltegriffe und Trittbretter an Ampeln, damit niemand zum Warten absteigen muss.
- Schräg montierte Mülleimer, die vom Fahrrad aus leicht erreichbar sind.
- Anzeigetafeln zur Grünen Welle – Informationen zur optimalen Geschwindigkeit sowie zur verbleibenden Wartezeit.
- Eine kleine Fahrrad-Service-Station für schnelle Reparaturen.
- Begrünung und Schatten im Wartebereich.
- durchgehende farbige Radwege, die den Vorrang des Radverkehrs vor querenden Autos deutlich sichtbar macht.
- Wetterabhängige Anpassungen der Ampelschaltung, beispielsweise längere Grünzeiten bei Regen.
Keine dieser Maßnahmen ist spektakulär. Gemeinsam machen sie jedoch den Unterschied zwischen einer funktionierenden und einer wirklich komfortablen Radinfrastruktur.

Schräg montierter Mülleimer in Kopenhagen (Quelle Embassy-of-Denmark)
Die Grüne Welle sichtbar machen
Ein besonders gutes Beispiel gibt es an dieser Kreuzung bereits.
Hier existiert eine Grüne Welle für den Radverkehr. Nur wissen die wenigsten davon. Wer nicht zufällig im richtigen Tempo fährt, bemerkt sie gar nicht.
Mit einer einfachen Anzeige wie „Grüne Welle bei 20 km/h“ und einer Geschwindigkeitsanzeige würde aus einer unsichtbaren technischen Funktion ein erlebbarer Komfortgewinn. Weniger Bremsen, weniger Anfahren und ein gleichmäßiger Verkehrsfluss würden die vorhandene Infrastruktur deutlich besser nutzbar machen.

Günstiges Beispiel ohne Display (Quelle Streetsblog Chicago)
Warum gerade die Kapuzinerstraße?
Die Kapuzinerstraße gehört zu den wichtigsten Radverbindungen Münchens. Täglich fahren hier tausende Menschen. Verbesserungen wirken deshalb sofort und erreichen viele Radfahrende.
Besonders geeignet ist die Aufstellfläche der ehemaligen Bushaltestelle in Fahrtrichtung Isar/Baldeplatz. Dort ist ausreichend Platz vorhanden, um erste Komfortelemente wie Haltegriffe oder einen fahrradfreundlichen Mülleimer zu testen.


Modellentwurf Kapuzinerstraße (München): Implementierung von Komfort-Infrastruktur mit digitaler Geschwindigkeitsanzeige für Radfahrende, Trittbrettern und Haltegriffen.
Quelle: Privatfoto / KI-Design.
Ein Reallabor für München
Niemand erwartet, dass alle Kreuzungen gleichzeitig umgestaltet werden. Deshalb schlagen wir ein Pilotprojekt vor.
Eine Komfortkreuzung könnte als Reallabor zeigen, welche Maßnahmen von den Menschen tatsächlich angenommen werden und welche sich anschließend an weiteren Standorten sinnvoll einsetzen lassen.
Der Aufwand wäre überschaubar. Der Erkenntnisgewinn dagegen groß.
Komfort ist der nächste Schritt der Mobilitätswende
Wer den Radverkehr stärken möchte, sollte nicht nur Unfälle vermeiden, sondern das Radfahren angenehm machen.
Komfort bedeutet weniger Stress, flüssigeres Fahren und mehr Freude an der täglichen Mobilität. Genau das bringt mehr Menschen aufs Fahrrad – und genau das macht lebenswerte Städte aus.
Die Kapuzinerstraße könnte zeigen, wie München den nächsten Schritt geht: von einer sicheren zu einer wirklich komfortablen Radverkehrsinfrastruktur.











