Umsetzung: Maßnahmen für ein durchgängiges Netz für Fuß- und Radverkehr
Die folgenden sieben Themenbereiche zeigen pragmatische Maßnahmen, die sich oft schnell, kostengünstig und rechtssicher umsetzen lassen. Sie helfen dabei, Lücken zu schließen, sichere Schulwege zu schaffen sowie Querbarkeit, Orientierung und Barrierefreiheit zu verbessern.
Ziel
Ein durchgängiges, sicheres und verständliches Netz für Fuß- und Radverkehr im gesamten Stadtgebiet. Damit mehr Menschen ihre alltäglichen Wege zu Fuß und mit dem Rad sicher und selbstverständlich zurücklegen können. Im Bestand bestehen zahlreiche Lücken, Qualitätsmängel und Orientierungsdefizite, die die Nutzung im Alltag erschweren – insbesondere für:
- Kinder (z. B. auf Schulwegen)
- ältere Menschen
- Menschen mit Mobilitätseinschränkungen
- unsichere oder ungeübte Verkehrsteilnehmende
Diese Defizite führen dazu, dass vorhandene Wege nicht genutzt werden oder gemieden werden. Priorität haben daher Maßnahmen, die bestehende Lücken schließen und die Nutzbarkeit unmittelbar verbessern.
Handlungsspielräume der Kommunen nutzen
Mit der StVO-Novelle 2024 wurden die Handlungsspielräume der Kommunen erweitert. Maßnahmen können heute ausdrücklich auch mit Zielen der Verkehrssicherheit, des Gesundheits- und Umweltschutzes, des Klimaschutzes sowie der städtebaulichen Entwicklung begründet werden.
Viele Verbesserungen für Fuß- und Radverkehr lassen sich vergleichsweise schnell, kostengünstig und rechtssicher umsetzen – insbesondere durch Markierungen, Beschilderung, Anpassungen von Ampelschaltungen oder kleinere bauliche Maßnahmen.
Ziel ist es, bestehende Sicherheitsdefizite und Netzlücken präventiv zu beseitigen, bevor schwere Unfälle entstehen. Dabei geht es nicht um einzelne Prestigeprojekte, sondern um ein verständliches, sicheres und alltagstaugliches Gesamtnetz für alle Altersgruppen.
1 Anordnungen
Maßnahmen im Bestand, die überwiegend über verkehrsrechtliche Anordnungen umgesetzt werden können.
Viele dieser Maßnahmen sind kurzfristig, kostengünstig und ohne umfangreichen Tiefbau realisierbar. Sie ermöglichen sichtbare Verbesserungen für Sicherheit, Orientierung und Aufenthaltsqualität und entsprechen dem Ansatz einer pragmatischen „Pop-up Mobilitätswende“.
1.1 🚲 Große Rad-Symbole (Piktogrammketten) – Lücken schließen
Einsatz auf Straßen ohne eigene Radinfrastruktur, insbesondere auf hoch belasteten oder als stressig wahrgenommenen Abschnitten. Gerade Netzlücken und subjektiv als unsicher wahrgenommene Abschnitte verhindern häufig die Nutzung durch Kinder, ältere Menschen und ungeübte Fahrende. Diese „schwächsten Glieder“ im Netz haben daher eine besonders hohe Priorität.
Ziel / Nutzen:
- Schließen von Netzlücken mit hoher Priorität
- Erhöhung der subjektiven und objektiven Sicherheit
- bessere Lesbarkeit der Führung im Straßenraum
- Beitrag zur Reduzierung konfliktreicher Überholvorgänge
Einordnung:
Diese Abschnitte stellen häufig die entscheidenden Barrieren im Netz dar („schwächstes Glied“) und verhindern die Nutzung durch breite Bevölkerungsgruppen. Große Rad-Symbole und Piktogrammketten sind eine einfache, verständliche und rechtssichere Möglichkeit, vorhandene Netzlücken sichtbar zu markieren und die Aufmerksamkeit des Kfz-Verkehrs auf den Radverkehr zu erhöhen.
Umgang mit sog. „Schutzstreifen“:
Schmale, ungeschützte Schutzstreifen bieten häufig keine ausreichende Sicherheit und führen zu geringen Überholabständen. In diesen Fällen sollen sie nicht weiter eingesetzt bzw. durch Piktogrammketten ersetzt werden. Eine klare Führung im Mischverkehr durch große Rad-Symbole ist hier die nachvollziehbarere und sicherere Lösung.
1.2 ↔️ Sicherheitstrennstreifen / Dooring-Schutzstreifen
Markierung eines ausreichenden Abstands zu parkenden Fahrzeugen.
Ziel / Nutzen:
- Reduktion von Dooring-Unfällen
- Verbesserung der Führung und Positionierung des Radverkehrs
- Erhöhung der Sicherheit insbesondere für Kinder und unsichere Fahrende
1.3 🚦 Ampelschaltungen für Fuß- und Radverkehr
Überprüfung und Anpassung bestehender Signalprogramme. Verkehrssicherheit und gute Querbarkeit sollen dabei grundsätzlich Vorrang vor einer möglichst hohen Flüssigkeit des Kfz-Verkehrs haben.
Ziel / Nutzen:
- Verbesserung der Querbarkeit für zu Fuß Gehende
- gleichmäßigere Berücksichtigung von Fuß- und Radverkehr
- Vermeidung unnötiger Wartezeiten
- Erhöhung der Akzeptanz und Regelbefolgung
Besonders relevant bei: Schulwegen, stark frequentierten Querungen, Verbindungen mit hoher Bedeutung im Alltagsnetz Unnötige Wartezeiten wirken insbesondere auf Kinder, ältere Menschen sowie den Fuß- und Radverkehr belastend und reduzieren die Akzeptanz sicherer Wegeführungen.
1.4 🎨 Markierungen und Beschilderung zur Orientierung
Verbesserung der durchgängigen und intuitiven Wegeführung.
Maßnahmen:
- Richtungspfeile und Fahrrad-Symbole
- Markierungen an Knotenpunkten und Abzweigen
- Rotmarkierungen an Konfliktstellen
- klare und konsistente Beschilderung
Ziel / Nutzen:
- bessere Auffindbarkeit bestehender Routen
- Reduktion von Unsicherheiten und Fehlverhalten
- Unterstützung ortsunkundiger Personen
2. Kleine bis mittlere bauliche Maßnahmen
Maßnahmen zur Verbesserung von Sicherheit, Komfort und Barrierefreiheit im Bestand. Viele Sicherheits- und Komfortprobleme im Bestand lassen sich bereits mit vergleichsweise kleinen Eingriffen deutlich verbessern. Gerade im Umfeld von Schulwegen, Querungsstellen und Alltagsrouten können solche Maßnahmen schnell wirksam werden.
2.1 ♿ Ebene Wege und Querungen
Beseitigung von Bordsteinkanten, Unebenheiten und problematischen Übergängen. Unebene Bordsteinkanten und problematische Übergänge stellen insbesondere für ältere Menschen, Kinder, Menschen mit Mobilitätseinschränkungen sowie Lastenräder, Anhänger und Rollatoren erhebliche Barrieren dar.
Ziel / Nutzen:
- barrierearme Nutzung für alle
- mehr Sicherheit an Querungen
- bessere Befahrbarkeit (z. B. mit Anhängern, Kinderfahrrädern, Rollatoren)
2.2 ⚠️ Radwegenden schließen
Beseitigung abrupt endender Radverkehrsanlagen.
Problem:
Radwege enden häufig ohne sichere Weiterführung und zwingen zum Wechsel in unsichere Verkehrssituationen.
Ziel / Nutzen:
- durchgängige Führung im Netz
- Vermeidung von Konflikten beim Einfädeln
- Erhöhung der Sicherheit, insbesondere für unerfahrene Nutzende
2.3 🛡️ Geschützte Radfahrstreifen (Protected Bikelanes)
Umgestaltung bestehender Fahrbahnen durch geschützte Führungsformen. Geschützte Radfahrstreifen trennen den Radverkehr vom Kfz-Verkehr und sind ein wichtiger Baustein der Vision Zero. Sie erhöhen die Verkehrssicherheit und schaffen komfortable Verbindungen für Menschen jeden Alters.
Sie sind insbesondere auf belasteten Hauptverbindungen ein wichtiger Baustein für ein durchgängiges und alltagstaugliches Netz.

Quelle: Green City e.V.
Ziel / Nutzen:
- Reduktion von Konflikten mit Kfz-Verkehr
- geeignet für Hauptverbindungen und belastete Achsen
- komfortabel für alle Altersgruppen
Potentielle Straßen: Agnes-Bernauer-Straße, Widenmayerstraße, Sonnenstraße, Kirchseeoner Straße, Prinzregentenstraße, Kapuzinerstraße, Plinganserstraße
👉 Link zur Karte: Karte geschützte Radfahrstreifen
Datengrundlage und Priorisierung
Präventives Handeln statt Warten auf Unfälle
Verkehrssicherheit sollte nicht erst nach schweren Unfällen verbessert werden. Viele Konfliktstellen und Sicherheitsdefizite sind bereits heute bekannt und im Alltag sichtbar. Kommunen haben die Möglichkeit und Verantwortung, präventiv zu handeln und erkannte Risiken frühzeitig zu entschärfen – insbesondere auf Schulwegen sowie an stark genutzten Querungen und Netzlücken.
Die Maßnahmen basieren auf:
- systematischer Auswertung von OpenStreetMap-Daten
- kontinuierlichen Rückmeldungen aus der Bevölkerung
- eigenen Erhebungen und Kartierungen
Die Priorisierung erfolgt insbesondere nach:
- Bedeutung im Alltagsnetz
- Sicherheitsdefiziten
- Relevanz für Schulwege und besonders schutzbedürftige Gruppen
Leitgedanke
„Routen sind nur so attraktiv wie ihr schwächstes Glied.“
Schon kurze unsichere oder unangenehme Abschnitte können dazu führen, dass Menschen Wege mit dem Rad oder zu Fuß meiden. Deshalb haben Netzlücken, Querungsstellen und subjektive Sicherheitsdefizite eine besonders hohe Bedeutung.
Links zu unseren Karten und Dokumenten
In unserer Übersicht findet ihr stets die wichtigsten Links zu unseren aktuellen Karten, Dokumenten und Prioritätenlisten. Hier könnt ihr euch schnell und einfach informieren:
👉 DUH Handbuch Pop-up Mobilitaetswende
Video „10 Maßnahmen die den Radverkehr sofort verbessern – günstig & schnell umsetzbar“ von Stadt Land Rad

Radwege-Routen sind nur so attraktiv wie ihr schwächstes Glied.













