Umsetzung: Maßnahmen für ein durchgängiges Netz für Fuß- und Radverkehr

Viele Verbesserungen für Fuß- und Radverkehr lassen sich schnell, kostengünstig und ohne großen Umbau umsetzen. Besonders wichtig: sichere Schulwege, verständliche Führung, weniger Netzlücken, bessere Querbarkeit,  barrierearme Wege

Ziel

Ein durchgängiges, sicheres und verständliches Netz für Fuß- und Radverkehr im gesamten Stadtgebiet. Damit mehr Menschen ihre alltäglichen Wege zu Fuß und mit dem Rad sicher und selbstverständlich zurücklegen können. Im Bestand bestehen zahlreiche Lücken, Qualitätsmängel und Orientierungsdefizite, die die Nutzung im Alltag erschweren – insbesondere für:

  • Kinder (z. B. auf Schulwegen)
  • ältere Menschen
  • Menschen mit Mobilitätseinschränkungen
  • unsichere oder ungeübte Verkehrsteilnehmende

Diese Defizite führen dazu, dass vorhandene Wege nicht genutzt werden oder gemieden werden. Priorität haben daher Maßnahmen, die bestehende Lücken schließen und die Nutzbarkeit unmittelbar verbessern.

Handlungsspielräume der Kommunen nutzen

Mit der StVO-Novelle 2024 wurden die Handlungsspielräume der Kommunen erweitert. Maßnahmen können heute ausdrücklich auch mit Zielen der Verkehrssicherheit, des Gesundheits- und Umweltschutzes, des Klimaschutzes sowie der städtebaulichen Entwicklung begründet werden.

Viele Verbesserungen für Fuß- und Radverkehr lassen sich vergleichsweise schnell, kostengünstig und rechtssicher umsetzen – insbesondere durch Markierungen, Beschilderung, Anpassungen von Ampelschaltungen oder kleinere bauliche Maßnahmen.

Ziel ist es, bestehende Sicherheitsdefizite und Netzlücken präventiv zu beseitigen, bevor schwere Unfälle entstehen. Dabei geht es nicht um einzelne Prestigeprojekte, sondern um ein verständliches, sicheres und alltagstaugliches Gesamtnetz für alle Altersgruppen.

Maßnahmen im Bestand, die überwiegend über verkehrsrechtliche Anordnungen umgesetzt werden können.

Viele dieser Maßnahmen sind kurzfristig, kostengünstig und ohne umfangreichen Tiefbau realisierbar. Sie ermöglichen sichtbare Verbesserungen für Sicherheit, Orientierung und Aufenthaltsqualität und entsprechen dem Ansatz einer pragmatischen „Pop-up Mobilitätswende“.

1.1 Große Rad-Symbole (Piktogrammketten) – Lücken schließen

Einsatz auf Straßen ohne eigene Radinfrastruktur, insbesondere auf hoch belasteten oder als stressig wahrgenommenen Abschnitten. Gerade Netzlücken und subjektiv als unsicher wahrgenommene Abschnitte verhindern häufig die Nutzung durch Kinder, ältere Menschen und ungeübte Fahrende. Diese „schwächsten Glieder“ im Netz haben daher eine besonders hohe Priorität.

Ziel / Nutzen:

  • Schließen von Netzlücken mit hoher Priorität
  • Erhöhung der subjektiven und objektiven Sicherheit
  • bessere Lesbarkeit der Führung im Straßenraum
  • Beitrag zur Reduzierung konfliktreicher Überholvorgänge

Einordnung:
Diese Abschnitte stellen häufig die entscheidenden Barrieren im Netz dar („schwächstes Glied“) und verhindern die Nutzung durch breite Bevölkerungsgruppen. Große Rad-Symbole und Piktogrammketten sind eine einfache, verständliche und rechtssichere Möglichkeit, vorhandene Netzlücken sichtbar zu markieren und die Aufmerksamkeit des Kfz-Verkehrs auf den Radverkehr zu erhöhen.

Umgang mit sog. „Schutzstreifen“:
Schmale, ungeschützte Schutzstreifen bieten häufig keine ausreichende Sicherheit und führen zu geringen Überholabständen. In diesen Fällen sollen sie nicht weiter eingesetzt bzw. durch Piktogrammketten ersetzt werden. Eine klare Führung im Mischverkehr durch große Rad-Symbole ist hier die nachvollziehbarere und sicherere Lösung.

👉 Wiki Rad-Symbole / Piktogrammketten

👉 Karte Markierungen

1.2 Sicherheitstrennstreifen / Dooring-Schutzstreifen

Markierung eines ausreichenden Abstands zu parkenden Fahrzeugen.

Ziel / Nutzen:

  • Reduktion von Dooring-Unfällen
  • Verbesserung der Führung und Positionierung des Radverkehrs
  • Erhöhung der Sicherheit insbesondere für Kinder und unsichere Fahrende

👉 Wiki Dooring-Schutzstreifen

1.3 Ampelschaltungen für Fuß- und Radverkehr

Überprüfung und Anpassung bestehender Signalprogramme. Verkehrssicherheit und gute Querbarkeit sollen dabei grundsätzlich Vorrang vor einer möglichst hohen Flüssigkeit des Kfz-Verkehrs haben.

Ziel / Nutzen:

  • Verbesserung der Querbarkeit für zu Fuß Gehende
  • gleichmäßigere Berücksichtigung von Fuß- und Radverkehr
  • Vermeidung unnötiger Wartezeiten
  • Erhöhung der Akzeptanz und Regelbefolgung

Besonders relevant bei: Schulwegen, stark frequentierten Querungen, Verbindungen mit hoher Bedeutung im Alltagsnetz Unnötige Wartezeiten wirken insbesondere auf Kinder, ältere Menschen sowie den Fuß- und Radverkehr belastend und reduzieren die Akzeptanz sicherer Wegeführungen.

👉 Karte gleichberechtigte Ampelschaltung

1.4 Markierungen und Beschilderung zur Orientierung

Verbesserung der durchgängigen und intuitiven Wegeführung.

Maßnahmen:

  • Richtungspfeile und Fahrrad-Symbole
  • Markierungen an Knotenpunkten und Abzweigen
  • Rotmarkierungen an Konfliktstellen
  • klare und konsistente Beschilderung

Ziel / Nutzen:

  • bessere Auffindbarkeit bestehender Routen
  • Reduktion von Unsicherheiten und Fehlverhalten
  • Unterstützung ortsunkundiger Personen

👉 Wiki Vom Fußverkehr getrennter Radweg

2. Kleine bis mittlere bauliche Maßnahmen

Maßnahmen zur Verbesserung von Sicherheit, Komfort und Barrierefreiheit im Bestand. Viele Sicherheits- und Komfortprobleme im Bestand lassen sich bereits mit vergleichsweise kleinen Eingriffen deutlich verbessern. Gerade im Umfeld von Schulwegen, Querungsstellen und Alltagsrouten können solche Maßnahmen schnell wirksam werden.

2.1 Ebene Wege und Querungen

Beseitigung von Bordsteinkanten, Unebenheiten und problematischen Übergängen. Unebene Bordsteinkanten und problematische Übergänge stellen insbesondere für ältere Menschen, Kinder, Menschen mit Mobilitätseinschränkungen sowie Lastenräder, Anhänger und Rollatoren erhebliche Barrieren dar.

Ziel / Nutzen:

  • barrierearme Nutzung für alle
  • mehr Sicherheit an Querungen
  • bessere Befahrbarkeit (z. B. mit Anhängern, Kinderfahrrädern, Rollatoren)

👉 Karte Ebene RadwegeListe Ebene Radwege

2.2 Radwegenden schließen

Beseitigung abrupt endender Radverkehrsanlagen.

Problem:
Radwege enden häufig ohne sichere Weiterführung und zwingen zum Wechsel in unsichere Verkehrssituationen.

Ziel / Nutzen:

  • durchgängige Führung im Netz
  • Vermeidung von Konflikten beim Einfädeln
  • Erhöhung der Sicherheit, insbesondere für unerfahrene Nutzende
Auf unserer Karte haben wir über 200 Problemstellen dokumentiert und priorisiert. Für einige der dringendsten haben wir konkrete Lösungsvorschläge erarbeitet, die direkt in der Karte verlinkt sind.
👉 Link zur Karte: munichways.de/radwegenden

2.3 Geschützte Radfahrstreifen (Protected Bikelanes)

Umgestaltung bestehender Fahrbahnen durch geschützte Führungsformen. Geschützte Radfahrstreifen reduzieren Konflikte mit dem Kfz-Verkehr deutlich und schaffen ein Sicherheitsniveau, das auch von Kindern, älteren Menschen und ungeübten Fahrenden genutzt werden kann.

Sie sind insbesondere auf belasteten Hauptverbindungen ein wichtiger Baustein für ein durchgängiges und alltagstaugliches Netz.

Ziel / Nutzen:

  • deutliche Erhöhung der Verkehrssicherheit
  • Reduktion von Konflikten mit Kfz-Verkehr
  • geeignet für Hauptverbindungen und belastete Achsen

Potentielle Straßen: Agnes-Bernauer-Straße, Widenmayerstraße, Sonnenstraße, Kirchseeoner Straße, Prinzregentenstraße, Kapuzinerstraße, Plinganserstraße

Datengrundlage und Priorisierung

Präventives Handeln statt Warten auf Unfälle

Verkehrssicherheit sollte nicht erst nach schweren Unfällen verbessert werden. Viele Konfliktstellen und Sicherheitsdefizite sind bereits heute bekannt und im Alltag sichtbar. Kommunen haben die Möglichkeit und Verantwortung, präventiv zu handeln und erkannte Risiken frühzeitig zu entschärfen – insbesondere auf Schulwegen sowie an stark genutzten Querungen und Netzlücken.

Die Maßnahmen basieren auf:

  • systematischer Auswertung von OpenStreetMap-Daten
  • kontinuierlichen Rückmeldungen aus der Bevölkerung
  • eigenen Erhebungen und Kartierungen

Die Priorisierung erfolgt insbesondere nach:

  • Bedeutung im Alltagsnetz
  • Sicherheitsdefiziten
  • Relevanz für Schulwege und besonders schutzbedürftige Gruppen

👉 Übersicht aller Karten und Prioritätenlisten

Leitgedanke

„Routen sind nur so attraktiv wie ihr schwächstes Glied.“

Schon kurze unsichere oder unangenehme Abschnitte können dazu führen, dass Menschen Wege mit dem Rad oder zu Fuß meiden. Deshalb haben Netzlücken, Querungsstellen und subjektive Sicherheitsdefizite eine besonders hohe Bedeutung.

Links zu unseren Karten und Dokumenten

In unserer Übersicht findet ihr stets die wichtigsten Links zu unseren aktuellen Karten, Dokumenten und Prioritätenlisten. Hier könnt ihr euch schnell und einfach informieren:

👉 Liste mit Kurzlinks zu allen Karten

👉 Alle Infrastruktur-Elemente

👉 Übersicht alle uMaps Karten

uMap Logo

uMap MunichWays Kartenübersicht

👉 DUH Handbuch Pop-up Mobilitaetswende

Video „10 Maßnahmen die den Radverkehr sofort verbessern – günstig & schnell umsetzbar“ von Stadt Land Rad

Radwege-Routen sind nur so attraktiv wie ihr schwächstes Glied.